Heizen mit Strom - eine sinnvolle Alternative?

Nur für den Notfall - elektrische Heizlüfter sind keine sinnvolle Alternative zu Gas

Der Krieg in der Ukraine, reduzierte Gaslieferungen aus Russland und steigende Energiepreise haben in Teilen der Bevölkerung für eine massive Verunsicherung gesorgt. Diese drückt sich aktuell besonders plakativ in dem Phänomen sprunghaft angestiegener Verkaufszahlen elektrischer Heizlüfter aus – im Sommer. Verbraucherinnen und Verbraucher suchen händeringend nach vermeintlich geeigneten Alternativen. Sie wollen Vorsorgemaßnahmen treffen, um irgendwie auf alles vorbereitet zu sein. Jetzt rufen die über 600.000 in der ersten Hälfte dieses Jahres abverkauften Heizlüfter Stadtwerke und Verbände auf den Plan. Die Experten warnen bereits vor der zunehmenden Gefahr einer Überlastung unserer Stromnetze.

Unwirtschaftlich - keine sinnvolle Alternative zu Gas
Wenn es darum geht, Wohnräume in langen kalten Wintermonaten zu heizen, sind elektrische Heizlüfter mit Sicherheit keine sinnvolle Alternative, um den Gasverbrauch zu senken. Mobile elektrische Direktheizgeräte, deren wahre Bestimmung reinweg auf kurzzeitige, räumlich begrenzte „Noteinsätze“ reduziert ist, sind dafür schlechterdings viel zu teuer im Betrieb. Momentan wirken sich bereits die höheren Beschaffungspreise für Energie sowie die neue Netzumlage negativ auf die Kostenseite aus. Diese Entwicklung führt deutlich vor Augen, wie widersinnig es ist, sich auch noch über den Einsatz von Heizlüftern unnötig mit dem zwei- bis vierfachen Preis für die kWh zu belasten.

Doch wenn sich Verbraucher schon für den Kauf von elektrischen Direktheizgeräten entscheiden, raten Energie-Experten, wenigstens einige rudimentäre Empfehlungen anzunehmen. Heizlüfter sollten nur so lange betrieben werden, bis eine vertretbare Temperatur im Raum erreicht ist. Auch sollte auf Sicherheit geachtet werden, auf ein VDE-Zertifikat, einen eingebauten Kippschutz und einen Überlastschutz mit Thermostat.

Gasversorgung - Verbraucher sind besonders geschützt
Die Situation auf dem Energiesektor ist derzeit extrem volatil und schwer vorhersehbar. Jedoch sind die Bedenken der Bürgerinnen und Bürger rund um die Versorgungslage von Privathaushalten mit Gas zumindest mittelfristig unbegründet. Es braucht Argumente, die all jene überzeugen sollten, die bereit sind, sich unaufgeregt damit zu befassen. Schon von Gesetzes wegen gelten Haushaltkunden nach wie vor als besonders geschützte Gruppe. Im Notfall wird die Gaszufuhr bei Haushaltskunden zuletzt reduziert.

„Wir müssen gar nicht frieren“
Nach Überzeugung von Experten muss niemand in Deutschland in diesem Winter frieren. Selbst angesichts der reduzierten Gaslieferung aus Russland ist es möglich bis wahrscheinlich, die Gasspeicher in Deutschland auf die von der Bundesregierung geforderten Füllstände zu bringen. Ferner dürfen wir aktuell Zeugen einer großen Solidarität der übrigen Gaslieferanten aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien werden, die Deutschland effizient unter die Arme greifen. Um etwaige verbleibende Lücken in der Gasversorgung verlässlich zu schließen, wird Deutschland zeitnah aus den LNG-Terminals seiner europäischen Nachbarn versorgt werden, über die dann Flüssiggas von den weltweiten Märkten kommt.

Eine reale Gefahr für das Netz
Was den Betrieb elektrischer Direktheizgeräte angeht, sind die Stromnetze für den Normalbetrieb, ein Gerät am Netz, ausgelegt. Kritisch wird es erst dann, wenn mehrere Direktheizgeräte zur gleichen Zeit am Netz in Betrieb genommen werden. Dann drohen tatsächlich „die Lichter auszugehen“. Und die beschriebene Gefahr der Gleichzeitigkeit ist bei einem unreflektierten Einsatz, also dauerhaft und flächendeckend, durchaus real.

Energiesparen - wieder das Gebot der Stunde
Der eigentliche Schlüssel zu dieser Krise liegt kurzfristig in einem Energiesparen mit Augenmaß und Empathie „nach Können und Vermögen“, um dabei auch unverhältnismäßige Belastungen Einzelner zu vermeiden. Parallel gilt es jedoch auch, Irrwegen oder gar bedenklichen Trends wie dem Run auf elektrische Direktheizgeräte konstruktiv mit Geduld und Argumenten zu begegnen, um bestmöglich aus der Krise hervorzugehen.

Steckbrief – gute Spartipps für kalte Tage:

- schon im Sommer bewusst sparsam mit der Ressource Gas umgehen
- frühestmöglich Effizienzmaßnahmen an der Gasheizung initiieren
- Raumtemperatur maßvoll um ein bis zwei Grad absenken
- Heizungsregelung an das tatsächliche Nutzerverhalten anpassen
- Online-Steuerung von Heizkörper-Thermostaten per App
- hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage
- Wartungen an den Gasheizungen vor dem Winter
- Ineffizienzen frühzeitig aufdecken und abstellen
- Informationsportal:„Ganz einfach Energiesparen!“
- immer ein guter Ratgeber:Arge Solar